Ameland

[von Claudia Spee]
Der Turm, steht auf der Westseite der Insel am Oranjeweg, der zum Ort Hollum gehört. Die Position ist 53° 27,0’N 5°37,6’ E. Ab und zu trägt er auch den Namen Bornrif , nach einer Sandbank zwischen Ameland und Terschelling, offiziell hat er aber keinen Namen.
Seine Optik besteht aus einer großen Drehlinsenleuchte, die 360° und mit 2000 W strahlt.
Das Seegebiet um Ameland und vor allem die Borndiep-Passage mit starker Strömung zwischen Terschelling und Ameland galt als finstere und gefährliche Gegend. Viele Sagen rund um Ameland berichten von Strandräubern und Strandgutsammlern, da immer wieder Schiffe strandeten oder gezielt irre geführt wurden.
Schon 1876 gab es ein kleines Feuer auf der Nordwestdüne. 1879 wurde der Bau eines Drehfeuers für Ameland geplant. Der Turm ist nach dem Entwurf von Quirim Harder 1880 bis 1881 gebaut worden. Es ist der letzte Turm des Architekten, den er entworfen hat. Er schloss damit sein Lebenswerk ab, die niederländische Küste über den Zeitraum eines Vierteljahrhunderts durch die Seefeuer sicherer zu machen. Die letzte Lücke in der Befeuerung der Küste war geschlossen.
Bauherr war die Gießerei Nering Bögel in Deventer. Der Turm ist aus aneinander geschraubten, gusseisernen Segmenten gebaut, was damals revolutionär war. Das Fundament besteht aus Granitblöcken, die Grundform ist rund. Der Turm hat 5 weiße und 5 rote horizontale Streifen. Ursprünglich hatte er fast doppelt so viele Streifen, diese verschwammen jedoch in der Entfernung, sodass er den heutigen Anstrich erhielt.
Das Bauwerk ist 55,3m hoch, die Feuerhöhe liegt bei 58m. Am 10.Mai 1881 wurde das Feuer mit einer Lichtstärke von 24000 Kerzen entzündet. Dies war recht schwach und wurde 1911 auf 120000 Kerzen erhöht. Seit November 1924 wird das Feuer elektrisch mit einer Stärke von 3Mio Kerzen betrieben.
Beim Einmarsch der deutschen Truppen im Mai 1940 gab das niederländische Marineministerium die gesamte Installation, um den Deutschen zuvorzukommen, das Licht für ihre Navigation zu nutzen. Es wurde aber weiterhin, möglicherweise zur Irreführung, in deutschen Leuchtfeuerverzeichnissen geführt. Erst nach dem Krieg von Juni 1945 an leuchtete nachweisbar ein festes weißes Hilfsfeuer, durch die Bewohner spottend „Schirmlampe“ genannt. Die alte Kennung erhielt das Feuer am 28. Mai 1952 zurück. Er erhielt die Optik des Leuchtfeuers von Westerhoofd/Ouddorp. Dieser wurde am 5.Mai 1945 im Krieg zerstört, die Optik wurde aber vorher in Sicherheit gebracht und durch die Kriegswirren gerettet So erhielt sie ihren Platz auf dem Turm von Ameland. Der letzte und schönste Turm von Quirim Harder nahm den Betrieb wieder auf. Seit Lichtzeichen sind drei Strahlen, die alle 15 Sekunden kreisen. Das Licht ist 30sm sichtbar. Seit 1980 ist der Turm nur teilweise bemannt, seit 1982 ist der Turm als Denkmal geschützt. 1988 wurde die alte Kuppel ersetzt. Seitdem ist der Turm mit Radar ausgerüstet und liefert Informationen zum Wetter, Wasserstand, Suchaktionen und Waldbränden. Die alte Kuppel steht in Hollum vor dem Rettungsbootmuseum.
Am 22.3.1996 wurde die Antenne nochmals durch eine größere ersetzt.
Mittlerweile ist diese Anlage nicht mehr in Betrieb, da Satellitennavigation den Radarbetrieb überflüssig macht.
2001 wurde der Turm aus Sicherheitsgründen von „Rijkswasserstaat“ geschlossen, da keine Notausgänge vorhanden waren. Die Gemeinde Ameland wollte den Turm als touristische Attraktion erhalten und suchte nach Lösungen, z.B. den Turm für einige Stunden am Tag zu mieten und so verantwortlich für die Sicherheit der Besucher zu sein.
Bis zur Schließung besuchten 70000 Menschen jährlich den Turm, an zwei Abenden in der Woche konnte man den Turm nachts besteigen, was sehr beeindruckend war.
2004 wurde der Turm dann Eigentum der Gemeinde Ameland, und seit dem 26.3.2005 ist der Turm wieder für die Öffentlichkeit zugänglich.
Der Turm ist ganzjährig geöffnet. Über 236 Stufen gelangt man in bis zur Aussichtsgalerie. In einigen der 14 Etagen können bei der Turmbesteigung Ausstellungen besichtigt werden, z.B. der KNRM, Wrackkarten, Wissenswertes über Leuchttürme, usw..
In der Kuppel kann man einen nachgestellten Lotsen- und Überwachungsstützpunkt besichtigen.
Von der Galerie aus hat man bei gutem Wetter eine grandiose Aussicht auf das westliche Ameland, das Watt, Seehundbänke, Sandbänke, Terschelling und die Nordsee.

Bild © Claudia Spee



Bild © Claudia Spee


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