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Ferien in Deutschland

Wie in den vergangenen Jahren erscheint auch 2012 die Briefmarken-Serie „Post" mit insgesamt vier Briefmarken. Sie präsentieren - im Gegensatz zu den meist jubiläumsbezogenen Ausgaben des Jahres - universelle Themen, die zu vielfältigen Schreibanlässen passen und attraktive Frankaturmöglichkeiten darstellen.
Das Thema der aktuellen Ausgaben heißt „Ferien in Deutschland" und thematisiert damit eine Zeit, in der erfahrungsgemäß besonders viele Briefe und Postkarten geschrieben werden. Die Marke mit dem Titel „Sommerferien" ist zudem der deutsche Beitrag zur internationalen Briefmarken-Serie „Europa", die alljährlich von der Vereinigung der europäischen Postorganisationen (PostEurop) initiiert wird. Ihre Mitgliedsorganisationen geben jeweils eine Briefmarke zu einem von der PostEurop gestellten Thema heraus. Das diesjährige (deutsche) PostEurop-Motto „Besuche Deutschland" integriert sich nahtlos in das Thema der Post-Serie 2012.
Mit dem Thema „Ferien in Deutschland" erinnern die jahreszeitlichen Motive der Briefmarken an eine Einrichtung, die auf den ersten Blick als selbstverständlich erscheint, aber historisch gesehen noch sehr jung ist: die Schulferien. Ferien können Kinder erst genießen, seit es die allgemeine Schulpflicht in Deutschland gibt, die vor etwa 200 Jahren eingeführt wurde. Die schulfreie Zeit beschränkte sich in den Anfängen fast nur auf die kirchlichen Feste und Sonntage, worauf auch die Herkunft des Wortes „Ferien" (von lateinisch feriae = Festtage) hindeutet. Später kamen die Tage oder Wochen hinzu, während derer wegen Jahrmärkten oder Messen der Schulunterricht unterbrochen wurde. Und vereinzelt gab es an heißen Sommertagen halbe oder ganze Tage frei. Der Forderung von Ärzten nach Erholung für Schüler und Lehrer ist es angeblich zu verdanken, dass vor etwa 100 Jahren geregelte Sommerferien von mindestens sechs Wochen eingeführt wurden.
Nach dem Zweiten Weltkrieg und der Trennung in zwei deutsche Staaten gab es dann unterschiedliche Ferienordnungen. In der Deutschen Demokratischen Republik (DDR) wurden die Ferien vom Staat zentral geregelt. In der Bundesrepublik Deutschland kamen die föderalen Strukturen zum Tragen, wonach Bildung hoheitlich Ländersache ist. Diese Praxis gilt seit der Wiedervereinigung auch in den fünf neuen Bundesländern.
Die Kultusminister der Länder legen die Ferienzeiten fest, und sie verständigen sich darüber in der Ständigen
Konferenz der Kultusminister (KMK). Als Basis für die Festlegung der Ferienzeiten gelten immer noch die Bestimmungen des Hamburger Abkommens der Länder vom 28. Oktober 1964 über die Dauer des Schuljahrs, der Schulpflicht und der Ferien. Die Sommerferienzeiten für den Zei:raum von 2011 bis 2017 hat die KMK mit ihrem Beschluss vom 15. Mai 2008 neu geregelt und dabei pädagogische und schulorganisatorische Gesichtspunkte berücksichtigt. Auch touristische, verkehrspolitische und familiäre Aspekte flössen in die Planung der Ferienzeiten ein.
Die sechs Wochen Sommerferien dienen nicht nur dazu, dass sich Lehrer und Kinder von der Schule und voneinander erholen können. Der lange Ferienzeitraum soll es berufstätigen Eltern ermöglichen, mit ihren Kindern einen dreiwöchigen Urlaub zu unternehmen. In einer sechswöchigen Ferienzeit können Arbeitnehmer zeitlich versetzt Urlaub nehmen und sich daher besser am Arbeitsplatz vertreten.
Da viele Familien durch schulpflichtige Kinder bei ihrem Urlaub an die Ferienzeiten gebunden sind, wäre bei einem gleichzeitigen Ferienstart ein Verkehrschaos auf den Straßen programmiert. Deshalb gibt es Sommerferien in den deutschen Bundesländern zu unterschiedlichen Zeiten, und zwar in einem rollierenden System. Damit soll ein Ausgleich unter den Ländern zwischen günstigeren und weniger günstigen Ferienterminen geschaffen werden.
Deutschland ist ein äußerst vielseitiges Ferienland. Auch darauf will die Briefmarken-Serie aufmerksam machen und hat sich deshalb die wichtigsten vier Zeiträume der durchschnittlich 75 Ferientage im Jahr ausgesucht:

Die Frühjahrsferien dauern, je nach Bundesland, ein bis zwei Wochen. In den meisten Bundesländern werden die Frühjahrsferien als „Osterferien" bezeichnet. Zeitlich sind die Osterferien an das wechselnde Datum des Osterfestes gebunden, das seit dem ökumenischen Konzil von Nicäa im Jahr 325 einheitlich an einem Sonntag nach dem jüdischen Passahfest und nach Frühlingsbeginn gefeiert wird. Ostern findet also frühestens am 22. März und spätestens am 25. April statt.
Die Sommerferien liegen am Ende des Schuljahres und gehen auf die „Hundstagsferien" vom 24. Juli bis 24. August zurück. Der Name kommt jedoch nicht etwa von schwitzenden Hunden an diesen vermeintlich
heißen Sommertagen, sondern von Sirius, dem Hundsstern, der zu dieser Zeit mit der Sonne annähernd gleichzeitig aufgeht. Die frühesten Sommerferien beginnen Mitte Juni, die spätesten enden Mitte September. Eine Sonderregelung gilt für die Inseln Sylt, Föhr, Amrum und Helgoland sowie die Halligen. Hier enden die Sommerferien eine Kalenderwoche früher, dafür haben die Insulaner drei Wochen Herbstferien.
Die Herbstferien sind die erste längere unterrichtsfreie Periode nach Beginn des Schuljahres. Sie dauern je nach Bundesland eine oder zwei Wochen im Oktober oder November und gehen auf die früheren „Kartoffelferien" zurück. Noch bis in die 1960er Jahre war es üblich, dass Bauernkinder von der Schulpflicht befreit wurden, um auf dem heimischen Hof mitzuarbeiten. Auch die anderen Schulkinder wurden manchmal eingespannt und bekamen vom Bauern ein kleines Taschengeld.
Die Winterferien hatten in der DDR ihre Tradition. Sie dauerten drei Wochen und fanden meist in der 2. bis 4. Februarwoche statt. Kurz vor Weihnachten bis nach Neujahr gab es die „Ferien zum Jahreswechsel". Im Ferienkalender der alten Bundesländer tauchen Winterferien erstmals 1987/88 auf, und zwar in Baden-Württemberg. Bis dahin lag der Schwerpunkt der schulfreien Zeiten im Winter um das Weihnachtsfest herum, und die Weihnachtsferien begannen meist zum oder nach Eintritt des astronomischen Winters am 21. oder 22. Dezember.
(Text: Deutsche Post AG, Bonn)

"Sommerferien in Deutschland" (55 Cent) Foto © PantherMedia

Grafische Gestaltung: Andrea Voß-Acker, Wuppertal
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Giesecke & Devrient GmbH, Wertpapierdruckerei Leipzig
Größe: 44,20 x 26,20 mm
Papier: gestrichenes weißes fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2
Ausgabetage: 2. Mai 2012

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