Impressum

Du bist hier: Küstenland
Weiter zu: Städte & Regionen
Allgemein: In Erinnerung

Suchen nach:

Karateka auf Segeltörn

[von Thomas Klose] Als Mitglieder der Abteilung Karate der TSV Heusenstamm lernen wir nicht nur, uns gegen uns selbst sowie imaginäre Gegner durchzusetzen, sondern treffen uns auch außerhalb des Training zu vielfältigen Aktivitäten. In diesem Jahr führte uns der Herbstausflug wieder zu einem Segeltörn an einem verlängerten Wochenende aufs Ijsselmeer in Holland.

Nach erfolgreicher Teilnahme an einer Regatta für Plattbodenschiffe bei unserem Herbstausflug im vorletzten Jahr hatten wir es auch diesmal wieder so eingerichtet, daß wir an diesem Ereignis handfest als Teil der Mannschaft auf der „Voorwaarts“ mitwirken konnten.

Die Anreise erfolgte wie üblich in Fahrgemeinschaften. Als wir am am 4. Oktober gegen Abend am Anleger in Lemmer unser Gepäck sammelten, sah es doch nach einer kleinen Expedition aus, denn es waren auch allerlei Getränke und sonstige Vorräte für unsere 13-köpfige Gruppe mitzuführen. Nachdem alles verstaut war, legten wir um 17.30 ab und segelten nach Enkhuizen, wo wir um kurz nach 21.30 im Museumshafen des „Zuiderzee-Museum“ festmachten. Peter Glas, unser Skipper, hatte noch bis 22.00 Zeit, die für die am nächsten Morgen beginnende Regatta erforderlichen Unterlagen bei der Rennleitung abzuholen. Nach einem üppigen Nudelgericht aus der Bordküche klang unser erster Abend an Bord in fröhlicher Runde aus.

Zeitig am Samstagmorgen kamen die zusätzlichen einheimischen Crewmitglieder für die Regatta an Bord, die den Skipper und seinen Maat bei solchen Fahrten unterstützen. Wir Gelegenheitssegler wurden den einzelnen Arbeitsstationen nach unserer Neigung zugeteilt, denn die meisten von uns hatten bereits zwei Jahre zuvor etwas Übung bekommen.
An der Backstag, einem losnehmbaren Ende zum Abstützen des Mastes schräg nach achtern, werden beim Kommando „Wende“ flinke Hände benötigt, die das Ende aus der Halterung lösen und auf der anderen Schiffseite nach dem Umschlagen des Großsegels wieder festmachen und mit einer Ratsche trimmen. Auf dem Vorschiff gilt es, das Vorsegel (Fock) nach Lösen der Backstag ebenfalls in den Wind zu stellen. Dies geschieht mit Hilfe der Fockschot, einer auf jeder Bootsseite und damit doppelt geführten Leine zum Bedienen der Fock. Vor dem Mast und quer über das Vorschiff ist die Fockleitschiene am Deck befestigt, eine schwere Eisenschiene, an der die Fockschot „von alleine“ von einer auf die andere Bootsseite gleiten kann und die Fock zum Umschlagen bringt. Dies geschieht in der Regel sehr schnell, so dass die Bedienung auch hier sehr wendig sein muss, um nicht vom Rutscher oder vom Baum des Vorsegels beim Wechsel auf die andere Bootsseite getroffen zu werden. Sofort nach dem Umschlagen des Segels und Festmachen des Rutschers am anderen Ende der Fockleitschiene muss die Fock dann mit der Schot von drei und mehr Personen getrimmt werden, bis das Segel richtig im Wind steht. Die Kräfte, die auf ein solches Segel von rund 60 qm Fläche wirken, sind enorm. Wir fahren üblicherweise noch einen Klüver, ein Segel, das noch vor der Fock am Klüverbaum angeschlagen ist. Der Klüverbaum ist ein über den vordersten Teil des Rumpfes hinausragendes Rundholz zum Befestigen von Vorsegeln, vorzüglich dazu geeignet, mit geeignetem Drehverhalten des Schiffes unnütze Gaffer von der Anlegestelle oder der Kaimauer abzuräumen.
Unser Boot verfügt bei einem Tiefgang von nur 1,20 m auch über die für Plattbodenschiffe typischen Seitschwerter auf jeder Bootsseite, die bei diesem Bootstyp für seitliche Stabilität sorgen. Die Mannschaft auf dem Vorschiff ist auch für das Trimmen der Seitschwerter nach der Wende zuständig. Auf der „Voorwaarts“ wird noch mit Muskelkraft und mechanischen Hilfsmitteln wie Winden gearbeitet.

Der Regattastart für unsere Bootsklasse war auf 11.30 Uhr festgesetzt und wir erreichten das betreffende Seegebiet zur rechten Zeit. Bei Windstärke 6-7 kamen wir trotz gelegentlich heftigen Regens gut voran und die Mannschaften gaben ihr Bestes. Auffällig bei uns an Bord war, dass niemand eine Schwimmweste trug. Das kann durchaus auch als Vertrauensbeweis für die seemännischen Fähigkeiten unseres Skippers angesehen werden. Auch in diesem Jahr gab es wieder einige Situationen, in denen man als Laie eigentlich jeden Moment mit dem Zusammenstoß mit einem anderen Boot gerechnet hätte. Jedenfalls kam unser Klüverbaum kreuzenden Booten bedrohlich nahe und andere, die achteraus kreuzten, ließen wenig Wasser zwischen unserem Heck und sich selbst. Aber so geht es bei diesen Wettfahrten eigentlich immer zu. Unseren schärfsten Konkurrenten, die „Pelikaan“, konnten wir auch diesmal wieder hinter uns lassen.

Bereits am Vormittag war die Focklaufschiene an ihrem Backbordende durchgebrochen. Ein erfahrenes Crewmitglied sicherte die Bruchstelle mit etlichen Leinen so gut es eben ging. Angesichts der Kräfte, die an dieser Stelle zerren, wurde den Mannen an der Fockschot jedoch trotzdem etwas mulmig.

Am Nachmittag ging das Großsegel mit einem heftigen Knall teilweise in Stücke. Außerdem brach die Backstag auf der Backbordseite und musste zweimal geflickt werden. Für Peter Glas, unseren erfahrenen Skipper kein Grund zur Panik. Mit gerefftem (verkleinertem) Großsegel ging es weiter im Wettstreit mit den anderen Booten. Natürlich gingen wertvolle Minuten mit der Behebung der Materialschäden verloren, so dass wir uns am Ende des ersten Regattatages mit dem zweiten Platz zufrieden geben mussten.

Da die Schäden am Boot bis zum Start am Sonntagmorgen behoben werden mussten, machten wir abseits vom Museumhafen in Enkhuizen fest. Es erwies sich dann als glücklicher Umstand, dass Steffen, unser Cheftrainer, erst verspätet mit dem Wagen in Enkhuizen eingetroffen war und jetzt mit dem Skipper zu einer Einkaufstour von insgesamt über 300 km aufbrechen konnte. Ein Großsegel musste herbeigeschafft werden und eine neue Backstag war am Samstagabend auch noch von einem Ausrüster anzufertigen. In der Zwischenzeit wurde im strömenden Regen die Focklaufschiene unter einer Zeltplane wieder zusammengeschweißt. Um 21.20 Uhr war das Boot wieder seeklar.

Die trockene Bemerkung „stormy weather“ unseres Skippers am frühen Sonntagmorgen beim Verlassen des Bootes ließ nichts Gutes ahnen. Nach seiner Rückkehr aus dem Büro der Rennleitung teilte er uns mit, dass die Regatta auf Grund des auf Stärke 8 angewachsenen Windes abgesagt worden war. Nachdem er am Vormittag im Festzelt die Preise für den zweiten Platz in Empfang genommen hatte, legten wir mit Ziel Amsterdam in Enkhuizen ab. Unsere Trainer fuhren das Auto nach Lelystad, weil wir je nach Wetterlage und Wind nicht damit rechnen konnten, am Montag auf dem Rückweg nach Lemmer nochmals in Enkhuizen anzulegen. Wir wollten die beiden dann später an der Schleuse zwischen Ijsselmeer und Markermeer wieder aufnehmen.

Vor der Schleuse hatten sich Dutzende von Booten, überwiegend private Segeljachten, eingefunden. Da die „Voorwaarts“ erst im dritten Durchgang geschleust werden sollte, brachten wir ca. 2 Stunden dort zu. Unsere Trainer erwarteten uns bereits auf einem Steg, an dem wir eigentlich nicht hätten anlegen dürfen. Das Anlegemanöver zur Aufnahme der beiden gestaltete sich dann auch etwas schwierig und der Mast mit den Lautsprechern für die Durchsagen des Schleusenwärters und die Laterne machten Bekanntschaft mit unserem Klüverbaum.

Angesichts der vielen Skipper, die vermutlich zum größten Teil ebenfalls nach Amsterdam segeln wollten, wurde beschlossen, Monnickendam, eine kleine Hafenstadt ca. 30 km vor Amsterdam, anzulaufen. Die meisten Mitglieder unserer Gruppe fuhren dann mit dem Linienbus nach Amsterdam. Über den Aufenthalt und die Erlebnisse dort lässt sich hier nichts berichten, da der Schreiber es vorzog, in Monnickendam zu bleiben, wo er mit zwei Kameraden einen gemütlichen Abend bei einem vorzüglichen Essen direkt am Hafen mit Blick auf die „Voorwaarts“ verbrachte.

Am Montag waren wir um 9.30 seeklar, die Segel gingen auf und wir glitten gerade bei schwachem Wind aus dem Hafen, als Peter feststellen musste, dass „Chine“, die neue Bordhündin, an Land zurückgeblieben war. Eine kurze Rücksprache mit einem anderen Skipper veranlasste diesen dazu, sich ein Schlauchboot mit Außenbordmotor zu organisieren, um uns das Tier hinterher zu bringen. Andernfalls hätten wir die Segel bergen und in den Hafen zurückkehren müssen. Der gute Wille war zwar vorhanden, das Tier ließ sich aber nicht von Fremden locken oder anfassen und machte Anstalten, sich in Richtung Innenstadt zu verziehen. Folglich wurden dann doch die Segel eingeholt und wir motorten zurück in den Hafen, um den Ausreißer an Bord zu holen.

Als wir dann schließlich aus dem Hafen waren, ließ der Wind weiter nach und Peters Voraussagen über den Zeitpunkt unserer Ankunft in Lemmer bewegten sich auf Grund seiner Satellitennavigationseinrichtung zwischen 21.00 und 23.00 Uhr. Die zunehmende Flaute auf dem Markermeer gewährte uns reichlich Zeit, auf Deck im beschädigten Großsegel zu liegen und zu schlafen, während Peter, sicher schweren Herzens, den Motor anwarf, um uns nach Lemmer zu bringen.

Das Schleusen vor Enkhuizen ging diesmal wesentlich schneller und während wir in der Schleusenkammer warteten, gingen wieder zwei von uns von Bord, um des Trainers Auto in Lelystad wieder abzuholen und von dort direkt nach Hause zu fahren.

Erst kurz vor Lemmer kam wieder etwas Wind auf, allerdings ablandig und uns direkt entgegen. So hatten wir zum Ausklang unseres Segeltörns doch noch ein paar Mal Gelegenheit, diesmal ohne Hast, Segelmanöver auszuführen, als wir gegen den Wind nach Lemmer hinein kreuzten.

Um 20.00 erreichten wir den Anleger und um 20.30 saßen wir am Ende eines wunderschönen Segeltörns in den Autos und machten uns auf den Heimweg. Es war wieder ein erlebnisreicher Herbstausflug mit vielen schönen Erinnerungen, Eindrücken und Erfahrungen in unserer Gemeinschaft.

Gehe zu: Tracht des Jahres 2012 Langeoog: Erste Fairtrade - Insel