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[von Ute Naundorf]
Man sagt, jede Hochzeit sei etwas Besonderes, weil zwei sich liebende Menschen "Ja" zueinander sagen. Jeder nimmt den anderen an so wie er ist, mit all seinen Vorzügen und Schwächen.
Und somit versucht man, sich etwas ganz Besonderes für die Hochzeitsfeier auszudenken, damit es auch ganz bestimmt "der schönste Tag im Leben" wird.
Ich möchte nun die Hochzeitsgeschichte von zwei Menschen erzählen, die nicht nur eine besondere Liebe zueinander haben, sondern die auch einen ganz besonderen Ort für ihre Trauung ausgesucht haben. Dieser Ort war ein rot-weiß gestreifter Leuchtturm namens "Falshöft" in Schleswig-Holstein. Und es war an diesem besagten 13. September 2003 so, wie man es sich an einem solchen Tag wünscht.
Wunderschönes Wetter mit blauem Himmel und Sonnenschein und wir alle waren aufgeregt, außer der Braut. Wir, die Hochzeitsgesellschaft und das Brautpaar, warteten am Fuße des Leuchtturms, bis uns der Standesbeamte Herr Nagel dort abholte. Wir waren nur eine kleine Gesellschaft von 12 Personen, da aus versicherungstechnischen Gründen nur maximal 14 Personen auf den Leuchtturm dürfen. So gingen wir nun alle, voller Erwartung, die schmale Wendeltreppe hinauf. Nach 49 Stufen erreichten wir die zweite Plattform des Turmes, auf der sich das hübsch eingerichtete Trauzimmer befindet.
Allein der Clou, dass es ein runder Raum war und wir alle im Kreis um das Brautpaar saßen, war eine schöne Atmosphäre. Die Eheringe wurden nun bereit gelegt und ein paar brennende Kerzen zauberten eine festliche Stimmung.
Es wurde ganz still, die Sonnenstrahlen fielen durch die kleinen runden Bullaugen und durften nun Zeuge werden von dem was da kam. Aber bevor es los ging mit der feierlichen Zeremonie, bat uns Herr Nagel nun zur Ruhe zu kommen. Wir sollten versuchen, die letzten hektischen Tage und Stunden hinter uns zu lassen. Damit es uns dabei etwas leichter fiel, schob er eine CD in den CD-Player und wir hörten alle aufmerksam zu. Es erklang das Lied "From a distance" von Bette Midler. Es war ein sehr gefühlvolles Lied, das jeden fast zu Tränen rührte.
Nun waren wir passend eingestimmt und gespannt. Der Standesbeamte erzählte mit eigenen Worten noch einmal die Geschichte des Brautpaares. Wann und wo sie sich kennen gelernt haben und wer von beiden letztendlich die alles entscheidende Frage: "Willst du mich heiraten?" gestellt hat. Das Kennenlernen lag nun mittlerweile über 9 Jahre zurück, von denen der größere Teil der Zweisamkeit durch einen schrecklichen Unfall durchbrochen wurde. Darum war es nun eine ganz besondere Freude, dass man sich nach dieser Zeit hier zusammen gefunden hatte, um mit dem Brautpaar gemeinsam diesen besonderen Tag erleben zu dürfen.
Die Traufragen wurden klar und deutlich und ohne Zögern mit dem "Ja" zueinander beantwortet. Als sie sich dann gegenseitig die Eheringe austauschten, strahlten beide mit der Sonne um die Wette. Ihre Augen glänzten und waren so voller Glück, dass jeder es sehen konnte. Ganz im Rausch hätten sie fast den Kuss vergessen, wenn sie nicht Herr Nagel fix darauf hingewiesen hätte. Nach ca. 20 Minuten war die Zeremonie leider schon vorbei. Als wir dann alle gratuliert hatten, begaben wir uns im Leuchtturm noch eine Etage höher, um auf das frisch gebackene Brautpaar anzustoßen. So langsam wurde man lockerer und ließ die gerade erlebten Augenblicke erst mal sacken. Um die tolle Aussicht aus den kleinen Bullaugen auch ganz genießen zu können, wischte Herr Nagel die beschlagenen Glasscheiben mit einem Tuch ab und öffnete ein Bullauge sogar ganz.
Auch dies war etwas Besonderes, denn durch das Fett, welches die Fenster abdichten soll, kann es durch das Öffnen der Fenster an den Innenwänden herunterlaufen und sie damit sehr verschmutzen. Aber für uns hat er eine Ausnahme gemacht. Nun konnte man die herrliche, weite Aussicht in ganzen Zügen genießen. Und wo führte uns der Blick hin? Durch die tolle Sicht, die übrigens für September recht ungewöhnlich gut war, konnte man bis zur Küste von Dänemark sehen. Dort hatte sich das Brautpaar damals näher kennen und lieben gelernt. Gibt es etwas romantischeres? Eines ist jedenfalls sicher, nämlich, dass dieses Eheglück unter Gottes gutem Stern steht, da wir einfach an diesem Tag etwas sehr Schönes erfahren und erleben durften.
Also, ich schwärme wohl noch lange von der ganz besonderen Hochzeit, mit einem ganz besonderen Brautpaar, an einem ganz besonderen Ort, dem Leuchtturm "Falshöft".
Seither haben Leuchttürme eine ganz andere Bedeutung für mich erhalten und eben ganz besonders der Leuchtturm "Falshöft".
Bild © Werner Naundorf