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Auf dem Weg in die Geschichte und Gegenwarts Bremens

[von Thorsten Solmecke, Mitarbeit: Mathias Engelhardt]
Eine Städtereise mal anders. Einige Tage „auf Schusters Rappen“ in Bremen unterwegs.
Mit dem Blick auf dem Marktplatz gerichtet, schweifen die Gedanken schnell in eine vergangene Zeit. Die historischen Bauten, der Roland und natürlich mit dem Blick neben das beeindruckende Rathaus – die Bremer Stadtmusikanten. Gedanken an Kindheitstage mit Märchen und Geschichten kommen auf.

Es war einmal ein Esel, ein Hund, eine Katze und ein Hahn
Wer kennt es nicht, das Märchen der Brüder Grimm, in dem sich die vier tierischen Gesellen, verjagt von ihren Herren, auf den Weg nach Bremen aufmachen, um dort zu musizieren.
Heute gibt es das bekannte Märchen der „Bremer Stadtmusikanten“ in vielen verschiedenen Sprachen übersetzt und ist somit weit über die Landesgrenzen hinaus bekannt.
Wer in die Hansestadt kommt, wird die Bremer Originale finden, als Bronzestatue entworfen von Gerhard Marcks direkt hinter dem historischem Rathaus.
An den blank polierten Vorderbeinen des untersten Tieres ist es zu sehen. Es soll Glück bringen, wenn die Beine des Esels leicht gerieben werden. Und wer nur eine Hand benutzt?
Dann sagen sich zwei Esel „Guten Tag“, so die Bremer.

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Der Roland - ein Symbol für Freiheit
Vor über 600 Jahren setzten die Bremer Kaufleute ihrer Stadtherrschaft gegenüber der Kirche ein Zeichen. Der Landesfürstliche Bischof sollte bei einem Blick vom Dom auf den Marktplatz daran erinnert werden. Die Bremer bauten eine Holzstatue als Abbildung des Roland, der seinerzeit als Adliger in der Dienerschaft Karls des Großen stand. Bei einem Brand wurde die Holzstatue vernichtet. Die Bremer bauten das Denkmal ihres Rolands neu, dieses Mal aus Stein. Auf dem goldenen Schild ist die Unabhängigkeit Bremens beschrieben.
Noch heute, seit über 600 Jahren, blickt Roland hinüber zum beeindruckenden St. Petri Dom und wird zu Festzeiten, wie dem „Ischa Freimaak“, liebevoll mit einem Lebkuchenherz bedacht.

Die gute Stube der Bremer
Im gotischen Stil erbaut, steht das über 600 Jahre alte Bremer Rathaus am Marktplatz, der sogenannten „guten Stube“ im Zentrum der Hansestadt. Im Innern sind viele Kunstwerke aus vergangenen Zeiten zu besichtigen und es wird deutlich, das Bremen von Handel und Schifffahrt geprägt ist.
„Feuer frei“ und die Kanonen auf den von der Decke hängenden Schiffsmodellen knallten zu feierlichen Anlässen. Ob dieses zur Freude der umstehenden und mit Schwarzpulver bestäubten Personen geschah, ist nicht überliefert.
Im Jahr 2004 wurde das Bremer Rathaus durch die UNESCO zum Weltkulturerbe bestimmt. Das UNESCO Komitee bestätigt in seinem Gutachten „Das Rathaus und der Roland zu Bremen sind ein einzigartiges Zeugnis für die bürgerliche Autonomie und Souveränität, wie diese sich im Heiligen Römischen Reich entwickelten“.
Von der guten Stube geht es in den Bremer Ratskeller. Er ist der älteste Weinkeller Deutschlands und das seit 1409. Dort schenkt der Kellermeister noch heute Getränke aus.

Die gute Stube

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Der Marktplatz aus der Vogelperspektive
Wenige Schritte führen zu einem der höchsten Gebäude in der Hansestadt, dem fast einhundert Meter hohen St. Petri Dom. Im Mittelalter einst Sitz der mächtigsten Männer in Bremen.
Das Gotteshaus mit seinen zwei Türmen ist zu besichtigen und nicht nur romanische und gotische Elemente sind im Innern zu finden. Die im Rokoko Stil gehaltene Kanzel wurde 1653 von der schwedischen Königin Christina geschenkt.
Wer die zahlreichen Treppenstufen, die auf den Turm führen, hinter sich lässt, der wird mit einem tollen Ausblick belohnt. Zu sehen ist der Marktplatz, das Rathaus, dem Schütting(ehemals Gilde- und Kosthaus der Kaufleute), das Umland und natürlich die Weser.

Nach dem Turmabstieg ist eine kleine Pause mit einer Belohnung in einem der zahlreichen und schönen Cafés angesagt. Anschließend geht es die Böttcherstraße hinunter.

© Silke Krause (BTZ)

Straße der Fassmacher
In der Blütezeit der Hanse florierte der Handel mit verschiedensten Waren. Fisch, Wein, Bier und andere Waren wurden in Fässern transportiert und gelagert. In der Nähe des Hafens wohnten viele Fassmacher und aus dem damaligen Wort „Bottich“ für das Fass, wurde die Berufsbezeichnung Böttcher geboren. Also lag es doch nahe, dass die Straße, in der die Bottiche hergestellt wurden, künftig „Böttcherstraße“ hieß.
Im Laufe der Jahre zerfielen die Häuser mehr und mehr. Vor über 100 Jahren nahm sich der Bremer Kaffeekaufmann Ludwig Roselius ein Herz und ließ die Böttcherstraße mit ihren Häusern liebevoll restaurieren. Noch heute sind diese Häuser, ein Aushängeschild für Bremen. Dabei wurden auch die alten Hausbezeichnungen, wie zum Beispiel „das Haus der sieben Faulen“, belassen. Das sind solche Kleinigkeiten, die bei einem Rundgang durch fremde Städte so gefallen, weil es so spannend ist, was einen hinter der nächsten Häuserecke erwartet.
Auch Bremen hat Geheimnisse, die es zu entdecken gibt.

Ein Hafen an der Weser
Die Weser fließt in die Nordsee. Die Bremer Kaufleute erkannten, auch schon in der Zeit um 1850, dass ihre Hansestadt ein bedeutender Umschlagplatz für Waren in alle Welt war. Mit Holzpfählen befestigten die Bremer das Ufer und die Schiffe konnten anlegen. So bekam die Schlachte (Plattdeutsch „Slaits“ für Pfähle) ihren Namen. Etwa fünfzig Jahre später versandete die Weser so stark, daß ein Anlegen der großen Handelsschiffe nicht mehr möglich war. Da die Bremer auf ihren Hafen angewiesen waren, bauten sie in Vegesack einen neuen Hafen.
Noch heute ist das Weserufer nahe der Innenstadt sehr belebt. Viele Restaurants, Cafés und Bänke an der Weser Promenade Schlachte laden zum verweilen ein. Einige Ausflugsschiffe liegen am Martinianleger zur Abfahrt, über die Weser bis nach Bremerhaven.
Wer an der Weser entlang geht, der kommt, vorbei an alten Packhäusern, in die Überseestadt.

Weserpromenade Schlachte

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Überseestadt – Alt und Neu
Moderne Architektur, wie der Wesertower, trifft auf Bauwerke aus einer längst vergangenen Zeit, Getreidemühlen, Speicher- und Verwaltungshäuser. Dem Besucher stellt sich die Frage: Was geht in den Köpfen der Menschen vor, die das planen? Wollen die sich dort auch einfach nur wohl fühlen?
Über die Eisenbahnschienen wurden Güter und Waren von den Lagerhallen und Speichern zum weiteren Transport verbracht. Heute haben Pflanzen von den Schienen und Flächen Besitz ergriffen.
Der ehemalige Überseehafen erfährt seit einigen Jahren einen Wandel. Innovativ und kreativ nutzen die Bremer die Gebäude und Flächen. Eine Grünfläche wurde zu Lehrzwecken vom HafenSchulGarten e.V. als Nutzfläche verändert. In den Gebäuden entstehen immer mehr Wohnungen, Hotels, Gewerbeflächen und Projekte der Gastronomie. Ein Areal verändert seinen Sinn und passt sich an die Gegebenheiten der Zeit an.

Überseehafen

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Hafengeschichte im Speicher XI
Kaffee und Baumwolle lagerten auf fast 400 Metern in einem Backsteingebäude am Europahafen – im Speicher XI. Heute ist er ein Museum. In diesem Museum soll man Hafengeschichte ganz nah erleben. Anfassen, schauen, hören und riechen ist erlaubt. Man kann da sicherlich sagen: „Ich war dabei“. Nicht nur Kinder bekommen hier einen interessanten Einblick in die maritime Geschichte Bremens bis in die Zeit von vor 120 Jahren.

Zu Fuß geht es an der Weser zurück. Man kann auch mit dem Bus in die Innenstadt fahren. Da es aber hier sicherlich noch mehr zu sehen gibt, wird der Bus hinten angestellt.

Speicher XI

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© Ingrid Krause (BTZ)

Das Schnoorviertel
Weserflussschiffer bewohnten das älteste Viertel Bremens und das schon um 900. Ein beschwerliches Leben, denn die Nähe zur Weser brachten auch Nachteile wie Überschwemmungen und stinkende Abwässer mit sich.
Vor über 500 Jahren veränderte sich das Viertel und die Mittelschicht zog in die umgebauten und aufgestockten Häuser oder ließen sich nebenan ein neues Wohnhaus bauen.
Wie an einer Schnur „Schnoor“ reihen sich seit dem die kleinen und schmalen Häuser aneinander und gerieten nach dem Auszug der wohlhabenden Bremer in Vergessenheit. Nach dem zweiten Weltkrieg erhielten die Häuser wieder eine Renovierung und es zogen viele Künstler und Kunsthandwerker in das Viertel.
Noch heute ist der Spaziergang durch die kleinen verwinkelten Gassen ein Erlebnis. Kleine Geschäfte, das kleinste Hotel und viele gemütliche Cafés sind einen Besuch wert.

© Martin Zeuschner

Geschichte lebendig
Heini Holtenbeen, ein Bremer Original, begegnet man noch heute in Abbildungen und als Bronzefigur im Schnoorviertel.
Zu Lebzeiten kannten ihn schon viele Bremer. Nach einem Unfall in einem Packhaus verlor er ein Bein und war auf eine Prothese aus Holz angewiesen. Seit dem hielt er sich mit Besorgungen über Wasser und stand neben der Rathaustreppe. Heini hatte auf jede Frage eine passende Antwort.
Nicht nur diese Figur ist in Bremen gegenwärtig, auch die berühmte Giftmörderin Gesche Gottfried, die ihre Geschichte durch eine Leiendarstellerin im Bremer Geschichtenhaus, einem alten Packhaus im Schnoor, lebendig und interessant erzählen lässt.
Kinder und auch die Erwachsenen haben hier ihren Spaß und bekommen Geschichten aus der Vergangenheit Bremens und aus Bremens Schnoorviertel von Flussschiffern, Kaufleuten, Kaffeeröstern und von Fisch Lucie (die schlagfertige Fischhändlerin Johanna Lucie Henriette Flechtmann als beliebtes Original bekannt) dargestellt.

Schnoor

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Bremen hat vieles und für jeden Geschmack etwas zu bieten. Bremen ist eine sympathische Stadt mit vielen freundlichen und offenen Menschen. Bremen ist die Stadt der kurzen Wege und macht neugierig auf mehr spannende Geschichte und Geschichten.

Für Bremenbesucherinnen und -besucher steht die Bremer Touristik Zentrale mit Rat und Tat zur Seite - www.bremen-tourismus.de. Viele Bücher informieren über die Hansestadt an der Weser. Mehr...