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Nationalpark Jasmund

Geologie - Kreide überall
Die Kreideküste im Nationalpark Jasmund ist der größte und bedeutendste geologische Aufschluss Norddeutschlands. Denn sie stellt einen Schnitt durch 70 Millionen Jahre Erdgeschichte dar und besteht keineswegs nur aus Kreide, sondern auch aus Sand, Lehm, Mergel und Findlingen. Die chaotisch anmutende Schichtung zeugt von längst vergangenen, gewaltigen Ereignissen. Heute sorgen kleine und große Uferabbrüche immer wieder für Aufsehen. Diese Küste gibt Einblick in die jüngere Erdgeschichte, vor allem darüber, wie die Insel Rügen entstanden ist.
Klima und Böden - Die natürlichen Rahmenbedingungen
Das Gebiet liegt durchschnittlich etwa 100 m über dem Meeresspiegel und ragt mit dem Pickberg bis auf 161 m empor. Es besitzt ein - aufgrund der Höhe und exponierten Lage in der Ostsee - ganz besonderes, dem Charakter nach teils maritimes, teils montan-winterkaltes Klima. Böden entstehen in der Zone, in der sich Lithosphäre, Hydrosphäre, Atmosphäre und Biosphäre überlagern und durchdringen. Auf Jasmund sind ganz unterschiedliche Böden entwickelt. Kreide', Geschiebemergel, Sande und organische Bildungen wie Torf sind die Ausgangsmaterialien für die Bodenbildung. Weiterhin führen Unterschiede im Relief und in der Feuchtigkeit zu verschiedenartigen Bodenbildungen.
Wasserhaushalt und Gewässer - Immer im Fluss
Der Erhalt des immer noch sehr naturnahen Wasserhaushalts ist ein wesentliches Schutzziel im Nationalpark. Ostjasmund ist das niederschlagsreichste Gebiet an der deutschen Ostseeküste mit ca. 800 mm pro Jahr. Das im Untergrund versickerte Wasser tritt in Quellen wieder zu Tage und fließt über Bäche, die wegen ihres starken Gefälles an Gebirgsbäche erinnern, zum Strand und mündet dort in die See. Auch ein etwa 500 m breiter Streifen der Ostsee gehört zum Nationalparkgebiet. Im Nationalpark gibt es nur wenige Seen und Weiher, die meisten sind bereits verlandet. So finden sich dann auch mehr als einhundert Moore im Gebiet. Innerhalb des Wasserhaushaltes kommen ihnen wichtige Speicherfunktionen zu. Leider sind heute nicht mehr alle Moore in einem naturnahen Zustand. Gegenwärtig läuft im Nationalpark ein Programm zur Moorrevitalisierung.
Lebensräume - Bunte Vielfalt der Biotope
Der Nationalpark Jasmund gehört zu den wenigen Landschaften Deutschlands, in denen die Abfolge vom geschlossenen Wald zu natürlich offenen Biotopen zu beobachten ist. Im Gebiet blieb ein reiches Spektrum naturnaher Ökosysteme bis in die Gegenwart erhalten, das durch weitgehende Eigendynamik gekennzeichnet ist. Dazu gehören die Flachwasserzonen der Ostsee, Blockstrände, Steilküsten, Wälder sowie Bäche und Moore. Überall laufen die natürlichen Prozesse ohne menschliche Eingriffe ab. Alles ist in steter Veränderung, nur die Geschwindigkeit der Veränderungen ist verschieden. Die meisten Ökosysteme können als sich zyklisch wandelnde Mosaikgefüge aufgefasst werden. Sie bestehen aus ineinandergreifenden Übergängen unterschiedlicher Entwicklungsstadien.
Pflanzen - Bunte Tupfer in der Kreidelandschaft
Die Kreidelandschaft Jasmunds zeichnet sich durch eine artenreiche Vegetation aus. Im Nationalpark wird das größte zusammenhängende Buchenwaldgebiet an der Ostseeküste geschützt. Nur auf feuchten Standorten vertreten Erlen und Eschen die Buche. Den verschiedenartigen Böden entsprechend ist auch die Krautschicht des Buchenwaldes differenziert. Die bewaldeten Steilhänge und Uferschluchten der Küste sind der Lebensraum von Ahorn und Ulme. Auch seltene Wildobstgehölze und Eiben gedeihen hier. In den Mooren des Nationalparkes sind Wollgräser, Fieberklee, Sonnentau, Riesenschachtelhalm und seltene Moose beheimatet. Nicht weniger interessant sind die Kalktrockenrasen auf den Küstenhängen mit verschiedenen Orchideenarten. Eine weitere Besonderheit ist die Salzvegetation der nördlichen Blockstrände. Salz-Binse, Salzmiere und Strand-Tausendgüldenkraut sind hier zu finden.
Tiere - Damhirsche, Seeadler und Alpenplanarie
Artenreich ist die Tierwelt des Nationalparkes. Das Schalenwild ist mit Damhirsch, Rothirsch, Rehwild und Schwarzwild vertreten. Seeadler horsten in der Stubnitz. Bemerkenswert sind auch die an den Kreidekliffs brütenden Mehlschwalben. Zwergschnäpper brüten im Buchenwald. An sonnigen Frühlingstagen nutzen Kraniche die Thermik über dem Wald, um Höhe zu gewinnen, bevor sie über die Ostsee fliegen. In Feuchtgebieten finden sich Ringelnattern und Kreuzottern. Auch die seltene Glattnatter gibt es noch. Häufig ist auf sonnigen Waldwegen die Waldeidechse zu beobachten. Ein gesichertes Vorkommen haben Teich- und Kammmolch ebenso wie Rotbauchunke, Erdkröte, Wechselkröte, Teichfrosch, Kleiner Wasserfrosch, Grasfrosch, Moorfrosch und Springfrosch. Als faunistische Raritäten besonders hervorzuheben ist die Alpenplanarie, ein Bewohner kalter Quellen, der als Glazialrelikt gedeutet wird sowie Edelkrebs und Bachforelle. Meerforellen und Lachse suchen im Winter vor der Küste nach Nahrung.
Geschichte - Spuren der Zeit
Um die Landschaft ganzheitlich zu verstehen, muss man ihre Geschichte kennen. Im Nationalpark Jasmund finden sich Zeugnisse verschiedener Epochen der Erd- und Menschheitsgeschichte. Das Spektrum reicht von Milliarden Jahren alten Gesteinen, die von eiszeitlichen Gletschern aus Skandinavien verschoben wurden, über die 70 Millionen Jahre alte Rügener Schreibkreide mit ihren Fossilien und Feuersteinen, die Bodendenkmäler aus frühgeschichtlicher Zeit bis zu einem aus Amerika stammenden Mammutbaum, der vor Ausweisung des Nationalparkes von einem Förster gepflanzt wurde.
Naturschutzgeschichte - Seit den Holzordnungen des 16. Jahrhunderts
Auf Jasmund reicht die Geschichte des Naturschutzes im weiteren Sinne bis ins 16. Jahrhundert zurück. Ziel war zunächst der rein wirtschaftlich begründete Schutz der Rohstoffquelle Wald. 1586 wurde eine erste Holzordnung erlassen. Sie steht am Anfang jahrhundertelanger Bemühungen um die nachhaltige Waldnutzung auf Ost-jasmund.
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts drohte die Zerstörung der Steilufer durch den Kreideabbau. Dies rief Naturliebhaber auf den Plan und 1929 wurde das „Naturschutzgebiet Jasmund" per Polizeiverordnung ausgewiesen. Diesem folgte 1986 das „Naturschutzgebiet Quoltitz" im Westteil des heutigen Nationalparkes. Mit der politischen Wende in der DDR drohte dem Gebiet die Gefahr der hemmungslosen touristischen Vermarktung. 1990 - im Zuge des Nationalparkprogramms der DDR - konnte der Nationalpark Jasmund etabliert werden.

(Text: Nationalparkamt Vorpommern)


„Blick auf das Kieler Ufer" © Kerstin Enderlein

Wert: 55 Cent
Grafische Gestaltung: Professor Dieter Ziegenfeuter, Dortmund
Druck: Mehrfarben-Offsetdruck der Bagel Security-Print GmbH & Co. KG, Mönchengladbach
Größe: 44,20 x 26,20 mm
Papier: gestrichenes weißes fluoreszierendes Postwertzeichenpapier DP 2
Ausgabetag: 2. Januar 2012