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[von Ulrich Sengebusch]
Das Nordseeheilbad Büsum hat 4.800 Einwohner, einen Bürgermeister, 2.500 Strandkörbe und einen tideunabhängigen Hafen. Diesen Umstand nutzt die Reederei H.G. Rahder, seit mehr als 36 Jahren in Büsum beheimatet, und bietet das größte Ausflugsprogramm von Büsum. Unter anderem eine Erlebnisfahrt in Richtung Cuxhaven / Elbmündung.
Am 20. Oktober 2008 wollen wir mit der „Lady von Büsum“ in See stechen, aber der Wetterbericht verheißt nichts Gutes. Windstärke 6 bis 7 mit entsprechendem Wellengang. Erst um 9:30 Uhr am Montag gibt der Kapitän bekannt: „Wir fahren!“
Pünktlich um 11:00 Uhr lässt Kapitän Rath ablegen. Bei Niedrigwasser und fast ruhiger See geht es in die Süderpiep. Backbords bleiben die grünen, steuerbords die roten Tonnen hinter uns. Hat da jemand eine Frage? „Backbord ist doch rot?“ Stimmt! Beim Einlaufen des Schiffes in den Hafen passt das auch wieder.
Vor uns die Nordsee. Uns wird erklärt, warum das Schiff im Bereich des Wattenmeeres noch ruhig im Fahrwasser liegt. „Wenn wir aus der Süderpiep Richtung Elbmündung schwenken, kann es sein, dass das Achterdeck etwas Feuchtigkeit mitbekommt!“ Zumal Windstärke 6 bis 7 herrscht und die Wellen eine Höhe von 2,30 erreichen. Wir haben die Feuchtigkeit 3 x erlebt: Volle Welle über das ganze Schiff und wir sind klatschnass geworden. Jetzt aufzustehen um den warmen Fahrgastraum zu erreichen ist unmöglich. Die See scheint mit dem Schiff zu spielen; mal ist an Backbord nur Wasser zu sehen, mal nur Himmel. Und der Horizont schwankt aus seiner waagerechten Lage. Flaue Zeiten für den Magen. Der Wind pfeift und die Finger sind klamm. Wir wollten es ja so haben!
Auf der vorgegebenen Route geht’s weiter zum „Großer Vogelsand“, zu dem Schiffsfriedhof. Von diesem ist an Steuerbord außer Wellengang nichts zu sehen. Die Wracks der Frachter „ONDO“ und „FIDES“ sind inzwischen, vom Mahlsand unterspült, fast verschwunden. Nur bei Niedrigwasser sind von dem seit 1961 auf dem „Großer Vogelsand“ liegenden britischen Frachter „ONDO“ noch Aufbauten zu sehen.
Zu sehen ist der Leuchtturm „Großer Vogelsand“, der im Spätsommer dieses Jahres zurückgebaut werden sollte.
Nach Rücksprache mit der Leitstelle in Cuxhaven geht es quer über die hier 20 km breite Elbe, die sich durch die Gezeiten mit dem Nordseewasser mischt. Die Kugelbake von Cuxhaven kommt in Sicht, vorbei geht es an dem Leuchtturm, verschiedenen Hafenbecken und dem geschichtsträchtigen Anleger „Alte Liebe“.
Kapitän Rath dreht bei und nimmt Kurs auf den Heimathafen. Zurück geht es durch die Fahrrinne zwischen „Gelbsand“ und „Hakensand“. Dennoch ist auch diese Route nichts für „Magenkranke“. Die „Lady von Büsum“ schaukelt recht heftig. An Steuerbord ist die Bohrinsel „Mittelplate“ im Sonnenschein zu sehen und kurz drauf die Vogelschutzinsel „Trischen“. Zutritt verboten! Nur der Vogelwart darf dort in den Sommermonaten seiner Aufgabe nachgehen.
Vor der Seehundbank „D-Steert“ hält der Kapitän die „Lady von Büsum“ mit gedrosselter Kraft auf Kurs. Seehunde mal im Original, die sich auf der Bank ausruhen, sich sonnen. Für die Gäste an Bord werden Seetiere gefischt und vom Biologen erklärt, was im Oktober noch ins Netz geht.

Kapitän Rath

Das Schiff nimmt wieder leichte Fahrt auf und schwenkt in die Süderpiep. Grüne Tonnen rechts, rote Tonnen links. Kapitän Rath hat die Richtfeuer, die auf dem Tonnenhof von Büsum stehen, im Blick. Nun wird der Automat ausgeschaltet und per Steuerrad durch die Schleuse navigiert. Eine Wende im Hafen und rückwärts geht es zur Anlegestelle im Hafenbecken 2. Festmachen, und wir müssen eine Etage tiefer aussteigen. Bei Niedrigwasser haben wir den Hafen verlassen, nach 6 Stunden Erlebnisfahrt hat der Hafen inzwischen Hochwasser.

Täglich, außer montags, nimmt die „Lady von Büsum“ um 9:15 Uhr Kurs auf Helgoland. So das Wetter keinen Strich durch den Plan macht.
Wer nicht so weit hinaus will, kann mit diesem Schiff die „Erlebnisfahrt Wattenmeer“ buchen. Auch eine „Abendfahrt in See“. Oder mit der „Ol Büsum“ eine Fahrt zur Seehundbank unternehmen. Eine Küstenfahrt vor Büsum ist mit der „Ol Büsum“ auch buchbar.
Mindestens 4 Mal täglich fährt der Original Krabbenkutter „Hauke“ für jeweils fast 2 Stunden zu Fangfahrten auf See. Steuerbords wird mit einem kleinen Original-Krabbennetz gefischt und der Fang an Bord erklärt. Besonders Schulklassen, die in der Jugendherberge übernachten, nehmen gern an diesen Fangfahrten teil.
In dem Original Helgoländer Börteboot „Hein Mück“ kann der Büsumer Hafen während einer Rundfahrt aus einer anderen Perspektive betrachtet werden. Weitere Informationen gibt es unter www.rahder.de
Doch zwei Themen sollen nicht unerwähnt bleiben: Freud und Leid.
Auf dem Original Krabbenkutter „Hauke“ kann sich ein Brautpaar, in Zusammenarbeit mit der Gemeinde Büsum, standesamtlich trauen lassen. Nach der Zeremonie fährt die „Hauke“ mit bis zu 50 Personen für ca. eine Stunde hinaus auf die Nordsee. Auch dazu gibt es Informationen unter www.rahder.de.
Ebenso zu dem Thema „Seebestattung“. Sei an dieser Stelle aus verständlichen Gründen für weitere Informationen auf die Internetadresse der Büsumer Reederei verwiesen. Unter der dort angegebenen Telefonnummer erhalten Sie jegliche Auskunft und einfühlsame Begleitung für diesen Weg der Bestattung.

Alle Bilder © Ulrich Sengebusch

Grafik © Ulrich Sengebusch