Impressum

Seefeuer Dornbusch

[von Thorsten Solmecke, mit Bildern von Karsten Hoerenz]
Seit seiner Kindheit hat Karsten Hoerenz ein ganz besonderes Verhältnis zu Leuchttürmen und besonders zum Leuchtfeuer Dornbusch auf der Insel Hiddensee.
Als Sohn des Leuchtturmwärters wuchs er am Seefeuer Dornbusch der Ostseeinsel Hiddensee auf und der Leuchtturm war so etwas wie sein zweites Kinderzimmer, obwohl der Turm gut 300 Meter vom Wohnhaus entfernt war. Mit ihm verbindet er sehr viele Interessante und erinnerungswürdige Ereignisse seiner Kindheit.

Zu Zeiten der DDR war der Leuchtturm ein militärisches Objekt und für Unbefugte der Zutritt strengstens verboten. Um so spannender war es für den acht Jahre alten Karsten seiner Mutter oder seinem Vater bei Wartungsarbeiten über die Schulter zu schauen.
Die zu putzenden Fensterscheiben des Laternenraumes lagen immerhin in über 30 Meter Höhe und 100 Meter über der Ostsee.
"Ich war stolz das erste Mal. Man musste für diese Arbeit über eine Eisenleiter von der damals noch geschlossenen Gallerie durch ein Luke auf diesen zweiten Umgang steigen und stand so vor der letzten Stufe kurz völlig frei, nur von Eisenstreben gesichert zwischen Himmel und Erde, um mit dem nächsten großen Schritt wieder in der Sicherheit eines Drahtgitters zu sein", berichtet er in einem Interview.
Der Turm gehörte zu seinem täglichen Leben. So war er es, was er zuerst auf dem Berg sah, wenn er zur Schule ging oder abends auf dem Rückweg vom Tanzen, leuchtete das Feuer heimwärts über die ganze Insel Hiddensee.
Die Familie stand 37 Jahre im Dienste der Seefahrt. Der Vater tat seinen Dienst bis 1998 und wurde dann pensioniert.
Der Seehydrographische Dienst der DDR begann bereits in den 70er Jahren die Leuchttürme zu automatisieren und nur wegen des entlegenen Standortes konnte die Leuchtturmwärterin und der Leuchtturmwärter den Dienst weiterhin verrichten.
Seine Mutter Frau Ingeborg Hoerenz war sogar die erste und gleichzeitig auch die letzte Leuchtturmwärterin der DDR.
Das Aussehen des Feuers veränderte sich seit der Erbauung 1888 stetig. Erschaffen mit einem hellen Mauerwerk und 13 Ringen aus dunkelen Steinen, wurde nach starken Witterungseinflüssen am Dorbusch eine Stahlbetonummantelung angebracht, erst im Jahre 1926 waren die Arbeiten abgeschlossen.
Nach der Wende erhielt das Leuchtfeuer 1994 seinen weißen Anstrich. Seit 1996 ist der Turm für die Öffentlichkeit zugänglich und kann bestiegen werden. Bei gutem Wetter bietet er einen herrlichen Ausblick über die Insel Rügen bis zur Insel Moen in Dänemark.
Symbokraft des Leuchtturmes für einen Menschen, der mit ihm groß wurde.
“Der Turm ist so ein Symbol für eine schöne Kindheit und Jugend, zu seinen Füßen auf der Insel, eben ein Stück zu Hause, eine tiefe Erinnerung auch an die Eltern und Geschwister. Der Leuchtturm symbolisiert für mich Stärke, Durchsetzungkraft aber auch unendliche Ausdauer und Ruhe. Egal, was um ihn herum geschieht, er erfüllt seine Bestimmung. Leuchttürme weisen Wege oder warnen vor Gefahren, helfen denen da draußen, egal ob schwarz, weiß, bunt, Christ, Jude oder Moslem.
Insofern hat wohl der Leuchtturm auch meine eigene Persönlichkeitsentwicklung geprägt".

Bild © | Karsten Hoerenz
Vielen Dank für die freundliche Unterstützung!

Zu alledem hat Karsten Hoerenz auch heute noch seine Erinnerung stets lebendig zu halten, denn "wer sieht schon nahezu täglich im Fernsehen die Blicke seiner Kindheit und sieht wie das Wetter zu Hause ist, obwohl er 700 km entfernt davon wohnt. Schade ist nur, dass nie das Wohnhaus zu sehen sein wird. Es liegt im toten Winkel der Kamera".

Bild © Karsten Hoerenz

Wir danken Herrn Karsten Hoerenz für seine freundliche Unterstützung!


Ein Interview mit Walter Hoerenz, dem Vater von Karsten Hoerenz, gibt es auf der Internetseite von Wissen.de. Den Artikel aufrufen.