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[von Kerstin und Manfred Weißenborn, aus Thüringen]
Seit ich davon erfahren habe, dass es eine Möglichkeit gibt auf dem Roten Sand zu übernachten lies mich der Gedanke nicht los und ich sprach immer wieder mit meiner Frau Kerstin darüber.Als ich nun in diesem Jahr einen runden Geburtstag feierte schenkt mir meine Frau, ganz überraschend eine Reise zum Roten Sand mit Übernachtung.
Es hatte mich beinahe umgehauen, denn es war ein schwerer Kampf, die Karten hierfür zu bekommen und noch schlimmer war es für meine Frau dieses vor mir geheim zu halten. Unser Reisetermin war 26. - 27.7.03. Einige Tage vor Reisebeginn bekamen wir plötzlich von Bremerhaventouristik eine Absage unseres Termins, da der Schlepper Goliath mit Maschinenschaden in die Werft musste. Obwohl man uns sofort einen Ausweichtermin für 12/13. September vorschlug war für mich eigentlich klar, dass es wohl zu diesem Zeitpunkt schon zu stürmisch in der Weser/Jade- Mündung seien würde. Wir gaben nicht auf und hofften, dass es doch klappen möge.
Da wir aus Thüringen anreisen mussten machten wir uns nun am 11.09.03 auf den Weg nach Bremerhaven ohne genau zu wissen ob der Törn stattfinden würde oder nicht. Donnerstag nachmittag in der Nähe von Bremerhaven riefen wir die Bremerhaventouristik an und fragten nach.
Wir waren schon sehr froh als man uns mitteilt, dass es am Freitag früh 6,30 Uhr an der Anlegestelle Seebäderkaje los geht.
Es war noch dunkel, als wir vom Hotel aus aufbrachen um an diesem Tag den Roten Sand zu "erobern ". An der Anlegestelle angekommen wurden wir von der Besatzung der Goliath so herzlich aufgenommen als wären wir schon immer gute alte Bekannte.
Nachdem alle Formalitäten erledigt waren legte die Goliath mit 6 Übernachtungsgästen und 24 Tagesgästen in Richtung Roter Sand ab. An den Container Brücken vorbei ging es Richtung Wesermündung. Währen der Fahrt mit der Goliath konnte man den kompletten Schlepper besichtigen und es wurden viele Gespräche mit der Besatzung geführt über verschiedene Einsätze der Goliath.
Sehr wichtig war natürlich auch, dass man alles Ablichten konnte.
Bevor es zu einem Sichtkontakt mit dem Roten Sand kam, wurden alle Gäste in die Sicherheitsbestimmungen eingewiesen und die Übernachtungsgäste mit den Bestimmungen auf dem Turm vertraut gemacht.Auf der Fahrt zum Turm war Prima Wetter und die See war ruhig.
Plötzlich war "Er" am Horizont zu sehen einen Daumenbreit links neben der "Alten Weser".
Jetzt wurde es spannend, denn der Rote Sand wurde immer " größer ". Es war reizvoll anzusehen, wie seine Konturen immer besser zu erkennen waren, bis wir dann mit der Goliath welche doch ziemlich klein ist, wenn sie neben dem Roten Sand liegt, am Turm fest machten. Die Mannschaft bereitete alles sehr gut vor so dass es beim Anlegen zu keinerlei Problemen kam. Es wurde eine Reling vom Schlepper zum Turm gelegt und an der Leiter eingehängt. Hans Kurschus - Chef der ehrenamtlichen Mannschaft bestieg den Turm als erster. Er öffnete eine kleine Türe welche sich in der Eingangstüre befand, denn der Turm war ohne Besatzung. Es wurden Verriegelungen entfernt bis sich die große Türe öffnen ließ.
Hans Kurschus traf nun alle Vorbereitungen am Turm um die Gäste samt Gepäck wohlbehalten auf dem Turm überzusetzen. Die Reling wurde befestigt und ein Flaschenzug vom Turm zum Schlepper gebaut. Als dies geschehen war stiegen zuerst die Übernachtungsgäste und dann 12 Tagesgäste auf den Turm. Hans Kurschus achtete immer wieder auf die Sicherheit seiner Gäste.
Zum Schluss wurde das Gepäck der Übernachtungsgäste und deren Verpflegung mit dem Flaschenzug auf den Turm gebracht. Ich war der erste und sollte ganz nach oben steigen und die Türe zur Galerie zu öffnen. Es war ein eigenartiges Gefühl als ich fast alleine, für den Moment, aufstieg. Man hatte das Gefühl als haben die letzten Leuchtturmwärter erst gestern den Turm verlassen.
Für die nächste Stunde besuchten die Tagesgäste, welche vorher in zwei Gruppen zu 12 Personen eingeteilt wurden den Turm. Als die Gruppen wechseln sollten hupte der Schlepper. Zwischendurch erhielten wir von Hans Kurschus eine genaue Einweisung zum Turm. Er teilte uns mit wie zu Beispiel der Herd funktioniert, das Notruftelefon zu handhaben ist, die Flagge gehisst wird, wo sich die Rettungstechnik befindet, wie die Notbeleuchtung funktioniert und die Wasserversorgung zu handhaben ist. Nach einer guten Stunde verließen alle Tagesgäste den Turm und unser Hans wünschte uns viel Spaß und lies uns auch allein.
Die Mannschaft der Goliath bereitete den Schlepper zum Ablegen vor und als alles fertig war verließen sie den Anleger am Turm in Richtung Bremerhaven . Nun hatten wir ,Helmut , Gerlinde ,Arne ,Uta ,Kerstin und ich den Turm für uns allein . Nun hatten wir Zeit unsere Mitstreiter, es waren noch zwei Ehepaare, und den Turm kennen zu lernen. Wir machten uns bekannt und stellen fest, dass ein Ehepaar aus der Nähe von Bonn kam und das andere aus Wölferbütt war. Die erste Zeit verbrachten wir auf der Galerie und im alten Laternenhaus. Es war einfach überwältigend, denn die Sonne kam hervor und die Sicht war frei bis Wangerooge und Helgoland. Es war mittlerweile nachmittags und wir beschlossen eine Kaffeepause einzulegen, zu welcher wir uns gemeinsam im alten Laternenhaus aufhielten.
Ich konnte nicht mehr länger sitzen weil der Turm auf mich wartete. So begab ich mich ins Kellergeschoss und begann mir alles genau anzuschauen und Fotos zu machen. Dort befindet sich die Toilette mit Waschbecken und kaltem und warmem Wasser, die Seewassertanks, die Notverpflegung und die Rettungstechnik.
Es führt eine steile Wendeltreppe aus Metall nach oben in den Schlafraum. Im Schlafraum befinden sich 9 Kojen, es sind 3 x 3 Kojen übereinander. Diese sind so angebracht, dass man immer von 3 Kojen nicht in die nächsten 3 schauen kann. Ausgestattet sind sie mit einer Matratze. Wir hatten Schlafsäcke mitgebracht und haben bestens geschlafen (kein Autolärm).
Vom Schlafraum führt eine Wendeltreppe aus Holz zur Küche. Beim Einrichten der Küche hat man sich sehr viel Mühe gegeben um diese so gut wie möglich im alten Zustand zu erhalten. Es ist aber alles vorhanden um kleinere Mahlzeiten zuzubereiten. In der Küche ist ein schönes Wandgemälde, welches die Leuchtturmwärter noch angefertigt haben. Des weiteren befinden sich dort eine Bank, 4 Stühle, ein Tisch, ein alter Kohleherd welcher auf Gas umgebaut ist, ein 12v Kühlschrank,Waschbecken mit Wasseranschluss und diverse Schränke welche mit allem ausgestattet sind um kleinen Mahlzeiten zu kochen. Von der Küche geht es wieder auf einer Holzwendeltreppe nach oben zum Dienstraum. Dort sind auch diverse Möbel wie Tisch und Stühle sowie einige Schränke. Hier ist auch das Funkgerät und das Notruftelefon sowie die dazugehörige Steuerung und Auflademöglichkeit angebracht. Weiter nach oben geht eine Treppe durch einen der drei Erker, dem der am höchsten ist, ins Laternengeschoss und zur Galerie.Diese Treppe ist sehr eng und aus Metall. Auf halber Strecke befindet sich der Ausgang zur Galerie und die alte Toilette der Leuchtturmwärter. Diese ist zwar noch erhalten wird aber nicht als Toilette genutzt, sondern es befindet sich die gesamte elektrisch Anlage der 12V Versorgung mit Batterie und Verteilungsanlage darin. Einige Stufen weiter ist der alte Laternenraum welche mit einer Bank ausgestattet ist auf der sich wunderbar sitzen läst. In dem Erker durch welchen die Treppe führt befand sich früher das Nebenfeuer und im Laternenraum das Hauptfeuer. Wenn man durch die Türe die Galerie betritt spürt man ein Hauch von Weite von Freiheit und Ferne. Auf der Galerie ist eine kleine Solaranlage und ein kleiner Windgenerator um die 12 V für die Notbeleuchtung zu erzeugen angebracht. Am Ende der Galerie ist eine Leiter um zum Flaggenmast zu gelangen.
Als wir nun den Turm vorerst kannten machten wir uns im Laternenhaus bequem, oder verweilten immer wieder einmal auf der Galerie. Langsam wurde es dunkel und nachdem wir die Flagge eingeholt hatten machten wir uns an die Vorbereitung des Abendbrotes. Es sollte Schnitzel mit Bratkartoffeln und Salate sowie diverse Obst geben. Es ist schon mit ein wenig Geschick verbunden für 6 Leute zur gleichen Zeit diese fertig zu haben aber es gelang und wir fanden uns zum gemeinsamen Abendbrot bei Petroleumslampen Licht ein. Nachdem alle gut und reichlich gespeist hatten musste natürlich aufgewaschen werden, war aber auch kein Problem. Später saßen wir noch lange im Turm zusammen und ließen die Abendstimmung auf uns wirken. Mittlerweile waren alle Leuchttürme sowie Markierungsfeuer rund um uns herum eingeschaltet und es war Vollmond. Es war herrlich einfach kaum zu beschreiben man muss es erlebt haben. Wir saßen bis uns dann doch die Müdigkeit überkam und alle so nach und nach in die Kojen sprangen welche natürlich vorher noch "gebaut" werden mussten.
Samstag früh, nachdem die Sonne aufgegangen war wurde die Flagge am Fahnenmast der Galerie gehisst und nach und nach kam auch "Leben" in den Turm. Nachdem alle Übernachtungsgäste ihre Morgentoilette im Erdgeschoss erledigt hatten begannen wir mit der Vorbereitung des Frühstückes. Es gab Rühreier mit Speck, Kaffee, Marmelade, Brot, Obst, Wurst und wir waren nicht in der Lage die gesamte für uns gedachte Verpflegung aufzuessen.
Wir sprachen alle über das Erlebnis "ROTER SAND" während wir mit den Aufwaschen begannen. Eigentlich war nicht mehr viel Zeit denn die Goliath wollte gegen 10 Uhr mit neuen Gästen wieder am Turm anlegen. Es musste die alte Ordnung wieder hergestellt werden wobei alle mithalfen. Nachdem wir damit fertig waren und auch jeder sein Gepäck verstaut hatte begaben wir uns wieder auf die Galerie um die Ankunft der Goliath zu beobachten.
Wir sahen aufs Meer und bemerkten doch einen stärkeren Wellengang als bei unserem kommen.Es hatte natürlich jeder das Logbuch vom Roten Sand, welches sich im Dienstzimmer befindet, gelesen in welchen Übernachtungsgäste beschreiben, dass sie 4 Tage länger bleiben mussten, weil die See ein Anlegen der Goliath nicht zu lies. Manche hofften andere bangten keiner wusste was passiert. Weit am Horizont tauchte nach 9 Uhr ein Punkt auf welchen wir alle als die Goliath erkanten.
Wie bei unserer Ankunft als der Rote Sand immer größer wurde geschah diese jetzt von uns aus mit der Goliath. Als die Goliath nun nahe am Turm war sahen wir erst richtig wie hoch doch der Wellengang eigentlich war. Zwischenzeitlich waren wir ins Kellergeschoß gegangen um Hans bei den Anlegemanövern zu helfen. Wir bemerkten, dass es sehr schwierig war für die Goliath am Turm festzumachen, sahen aber auch die Erfahrung der Mannschaft inwieweit sie dieses Problem zu meistern versuchten welches Ihnen auch gelang. Trotz großen Problemen beim Übersetzen war es Hans Kurschus doch möglich auf den Turm zu gelangen. Als er im Turm angekommen war bemerkten wir an seiner Gestik, dass es doch etwas problematischer war wie es aussah und er sagte uns auch schon schlechtes Wetter. Es musste bei diesen Wetter noch mehr auf Sicherheit geachtet werden als sonst.
Ein anhängen der Reling war bei diesem Seegang nicht möglich. Jeder Gast musste einen Sicherheitsgurt anlegen und genau auf die Kommandos von Hans achten um gefahrlos auf die Goliath zu gelangen. Kerstin war wieder die erste. Sie musste der Turmleiter hinunterklettern und auf Kommando auf die Reling über steigen welche von der Mannschaft der Goliath zum Turm geschoben wurde indem man die Wellenbewegungen ausnutzte. Auf diese doch etwas schwierigere Weise wurden alle zu unserer Turmbesatzung gehörenden und ihr Gepäck auf die Goliath verbracht. Diese dauerte schon etwas länger als bei ruhiger See. Als alle "alten" Übernachtungsgäste auf der Goliath waren wurden auf gleiche art und weise die neuen Gäste auf den Turm befördert. Da es dem Kapitän nicht möglich war auch Tagesgäste überzusetzen und Hans noch die neue Turmmannschaft einweisen musste legte der Kapitän für eine halbe Stunde vom Turm ab um niemanden in Gefahr zu bringen. Nach dieser Zeit fuhr er den Turm wieder an um Hans wieder abzuholen. Das war ein schweres Stück Arbeit und die Mannschaft der Goliath gab wirklich ihr Bestes.
Während dieser ganzen Aktion fühlte ich mich als Landratte, durch den doch etwas hohen Wellengang war es schon ein "etwas" flaues Gefühl in der Magengegend , welches aber nach einiger Zeit wieder verflog. Nun ging es zurück in Richtung Bremerhaven und uns war klar das dieses Erlebnis einen bleibenden Eindruck auf uns hinterlassen sollte. Wir verabschiedeten uns alle herzlichst von einander und von der super Besatzung der Goliath, die ihre ganze Arbeit in der Freizeit und ehrenamtlich leistet.
Ich bin der festen Überzeugung das man alle Anstrengungen aufbieten muss um den Roten Sand zu erhalten. Das in diesen zwei Tagen erlebte, der Turm die Mannschaft und die Goliath wird uns immer an eine prima Zeit erinnern.
Wir, meine Frau Kerstin und ich werden dieses nie vergessen.

Bild © Thorsten Solmecke